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wenn man immernoch auf der suche nach dem Paradies ist, ist man dann optimistisch und gibt nicht auf, weil man der meinung ist, dass es noch kommt, oder ist man dann pessimistisch, weil man sich nicht mit seinem Paradies zufrieden gibt?
15.9.04 19:27
 


bisher 9 Kommentar(e)     TrackBack-URL


michi / Website (19.9.04 13:38)
beides. Das Leben ist eine Mischung aus den beiden meiner Meinung nach


(29.9.04 21:18)
Wenn wir nach innerer Zufriedenheit streben, was jeder Mensch tut - ob bewusst oder unbewusst -,
ist das Paradies als absolute Perfektion noch "Paradies"?




Jana (2.10.04 23:11)
ich habe die Kurzgeschichte "die Küchenuhr" gelesen


Matze / Website (3.10.04 12:49)
Die Geschichte kenne ich nicht, offen gestanden -
Endet sie mit dem Ergebnis der Utopie, wie meine Frage?
Ist es wirklich sinnvoll, Fragen zu stellen, die in vom Menschen definierter Form von Metaphysik enden?
Ich würde gern mehr von dir lesen.


Jana (4.10.04 16:38)
Sie sahen ihn schon von weitem auf sich zukommen, denn er fiel auf. Er hatte ein ganz altes Gesicht, aber wie er ging, daran sah man, dass er erst 20 war. Er setzte sich mit seinem alten Gesicht zu ihnen auf die Bank. Und dann zeigte er ihnen, was er in der Hand trug.
Das war unsere Küchenuhr, sagte er und sah sie alle der Reihe nach an, die auf der Bank in der Sonne saßen. Ja, ich habe sie noch gefunden. Sie ist übrig geblieben.
Er hielt eine runde, tellerweiße Küchenuhr vor sich hin und tupfte mit dem Finger die blaugemalten Zahlen ab.
Sie hat weiter keinen Wert, meinte er entschuldigend, das weiß ich auch. Und sie ist auch nicht so besonders schön. Sie ist nur ein Teller, so mit weißem Belag. Aber die blauen Zahlen sehen doch ganz hübsch aus, finde ich. Die Zeiger sind natürlich nur aus Blech. Und nun gehen sie auch nicht mehr. Nein. Innerlich ist sie kaputt, das steht fest. Aber sie sieht noch aus wie immer. Auch wenn sie jetzt nicht mehr geht.
Er machte mit den Fingerspitzen einen vorsichtigen Kreis auf dem Rand der Telleruhr entlang. Und er sagte leise: Und sie ist übriggeblieben.
Die auf der Bank in der Sonne saßen, sahen ihn nicht an. Einer sah auf seine Schuhe, und die Frau sah in ihren Kinderwagen. Dann sagte jemand: Sie haben alles verloren?
Ja, ja, sagt er freudig, denken Sie, aber auch alles! Nur sie hier, sie ist übrig. Und er hob die Uhr wieder hoch, als ob die anderen sie noch nicht kannten.
Aber sie geht doch nicht mehr, sagte die Frau.
Nein, nein, das nicht. Kaputt ist sie, das weiß ich wohl. Aber sonst ist sie doch noch ganz wie immer: weiß und blau. Und wieder zeigte er ihnen seine Uhr. Und was das Schönste ist, fuhr er aufgeregt fort, das habe ich Ihnen ja noch überhaupt nicht erzählt. Das Schönste kommt nämlich noch: denken sie Mal, sie ist um halb drei stehen geblieben. Ausgerechnet um halb drei, denken sie mal.
Dann wurde ihr Haus sicher um halb drei getroffen, sagte der Mann und schob wichtig die Unterlippe vor. Das habe ich schon oft gehört. Wenn die Bombe runter geht, bleiben die Uhren stehen. Das kommt von dem Druck.
Er sah seine Uhr an und schüttelte überlegen den Kopf. Nein, lieber Herr, nein, da irren sie sich. Das hat mit den Bomben nichts zu tun. Sie müssen nicht immer von den Bomben reden. Nein. Um halb drei war ganz etwas anderes, das wissen sie nur nicht. Das ist nämlich der Witz, dass sie gerade um halb drei stehen geblieben ist. Und nicht um Viertel nach vier oder um sieben. Um halb drei kam ich nämlich immer nach Hause. Nachts, meine ich. Fast immer um halb drei. Das ist ja gerade der Witz.
Er sah die anderen an, aber die hatten ihre Augen von ihm weggenommen. Er fand sie nicht. Dann nickte er seiner Uhr zu: dann hatte ich natürlich Hunger, nicht wahr? Und ich ging immer gleich in die Küche. Da war es dann fast immer halb drei. Und dann, dann kam nämlich meine Mutter. Ich konnte noch so leise die Türen aufmachen, sie hat mich immer gehört. Und wenn ich in der dunklen Küche etwas zu essen suchte, ging plötzlich das Licht an. Dann stand sie da in ihrer Wolljacke und mit einem roten Schal um. Und barfuß. Immer barfuß. Und dabei war unsere Küche gekachelt. Und sie machte ihre Augen ganz klein, weil ihr das Licht so hell war. Denn sie hatte ja schon geschlafen. Es war ja Nacht. So spät wieder, sagte sie dann. Mehr sagte sie nie. Nur: So spät wieder. Und dann machte sie mir das Abendbrot warm und sah zu, wie ich aß. Dabei scheuerte sie immer die Füße aneinander, weil die Kacheln so kalt waren. Schuhe zog sie nachts nie an. Und sie saß solange bei mir, bis ich satt war. Und dann hörte ich sie noch die Teller wegsetzen, wenn ich in meinem Zimmer schon das Licht ausgemacht hatte. Jede Nacht war es so. Und meistens immer um halb drei. Das war ganz selbstver-ständlich, fand ich, dass sie mir nachts um halb drei in der Küche das Essen machte. Ich fand das ganz selbstverständlich. Sie tat das ja immer. Und sie hat nie mehr gesagt als: So spät wieder. Aber das sagte sie jedes Mal. Und ich dachte, das könnte nie aufhören. Es war mir so selbstverständlich. Das alles. Es war doch immer so gewesen.
Einen Atemzug lang war es ganz still auf der Bank. Dann sagte er leise: Und jetzt? Er sah die anderen an. Aber er fand sie nicht. Da sagte er der Uhr leise ins weißblaue runde Gesicht: Jetzt, jetzt weiß ich, dass es das Paradies war. Das richtige Paradies.
Auf der Bank war es ganz still. Dann fragte die Frau: Und Ihre Familie?
Er lächelte sie verlegen an: Ach, Sie meinen meine Eltern? Ja, die sind auch mit weg. Alles ist weg. Alles, stellen Sie sich vor. Alles weg.
Er lächelte verlegen von einem zum anderen. Aber sie sahen ihn nicht an.
Da hob er wieder die Uhr hoch, und er lachte. Er lachte: Nur sie hier. Sie ist übrig. Und das Schönste ist ja, dass sie ausgerechnet um halb drei stehen geblieben ist. Ausgerechnet um halb drei.
Dann sagte er nichts mehr. Aber er hat ein ganz altes Gesicht. Und der Mann, der neben ihm saß, sah auf seine Schuhe. Aber er sah seine Schuhe nicht. Er dachte immerzu an das Wort Paradies.



Chäzda... / Website (6.10.04 22:05)
hmmm...

Ich kenn die Geschichte der KüchenUhr... ich glaub die hatte ich früher mal im Unterricht...

Aber mal zu dem Spruch daoben...

Ich glaube es sollte ersteinmal geklärt werden was und wo das Paradies überhaupt sein soll...

Das Wort Paradies ist die griechische Übersetzung des Begriffs "Garten Eden"... Der sumerische Name für Paradies ist Dilmun... Es ist am "unteren bitteren Meer, zur Morgenseite" gelegen und meint höchstwahrscheinlich Bahrain... In ihr wachsen die heiligen Bäume, auch gilt sie als Quelle der Flüsse...

Für manche ist das jetzt vielleicht komisch zu erfahren dass das Paradies ein Inselstaat auf einem Archipel im Persischen Golf, östlich von Saudi-Arabien ist...

Aber mir ist das scheiß egal... das Paradies ist da wo ich es haben will...
Nur man selbst is für sein eigenes Paradies... verantwortlich...
Du willst dein Paradies finden?!!?... hör auf zu suchen... wer ein Paradies sucht findet keins...
Ein Paradies muss geschaffen werden...

Wer danach sucht is weder Optimist noch Pessimist...
Der is in meinen Augen geisteskrank... tschuldigung... is nix persönliches... nur ne Meinung...

oAber nicht alle wollen ins Paradies... (selbst ich glaube, dass es dort langweilig wär... aber ich hab meine eigene Definition von Paradies)
Denn einst sagte Stanislaw Jerzy Lec... das war oder is immernoch ein polnischer oder tschechischer Schriftsteller... ach is doch egal w der herkommt...

Er sagte:
"Manchmal packt mich die Angst, ich wäre bereits im Paradies..."

Oder auch interessant was Milan Kundera sagte... das is auf jeden Fall ein tschechischer Schriftsteller...

"Die Sehnsucht nach dem Paradies ist das Verlangen des Menschen, nicht Mensch zu sein..."

Wie wahr... der Mensch ist völlig ungeeignet fürs Paradies... hier gibt es Widersprüche überall...

naja... that's life )


Matze / Website (8.10.04 19:11)
@Jana

Die Geschichte ist schön.

@Chäzda

Wenn du mich als geisteskrank bezeichnest (was mich übrigens nicht stört!), ist das nur deine Meinung - das hast du doch gut festgestellt, demnach keine Entschuldigungen.
Entschuldige du meine provokante Ausdrucksweise, aber weißt du, was Utopie bedeutet? Versuche mal, den Begriff "Paradies" zu definieren, und zwar den Begriff, nicht seine Geographie.
Und du wirst feststellen, dass jeder Mensch eine andere Vorstellung von "Paradies" hat, was in meinem Beispiel lediglich ein Synonym für (innere)Zufriedenheit ist.
Nebenbei aber hast du Recht: That's life -

Ich freue mich, dass du dich mit diesem Thema textmäßig recht viel beschäftigt hast.


irgendwer / Website (9.10.04 13:25)
Ich will nich ins Paradies.
Allein schon wegen der Gewohnheit des Glücks...


Chäzda... / Website (11.10.04 02:22)
hmmm...

Es könnte möglich sein, dass das mit dem Wort "geisteskrank" ein bitterer Nachgeschmack eines Gespräches mit einem religiösen Fanatikers ist...

Der Typ hat mich eine Stunde lang davon überzeugen wollen, dass ich es im Paradies besser haben werde, aber wenn ich dahin wolle, solle ich mich doch mit ihm auf die Suche machen...
hmmm... vielleicht irgendso einer von 'ner Sekte... naja

Und der war 100%ig geisteskrank...
Also war das wohl zu hoch gegriffen...
Das ist übrigens keine Entschuldigung... auch nur 'ne Feststellung von mir...

Ihr seid trotzdem komisch... viel Spaß bei der "Suche"

Also eine Definition für Paradies ist schwer...
eigentlich unmöglich dafür eine Verallgemeinerung zu finden... Also lass ich es lieber... Aber falls du eine hast die alles miteinschließt... dann immer her damit...

Nehmen wir doch einfach mal die Kurzgeschichte der Küchenuhr...
Der werte Herr Borchert hat ja irgendwas bezweckt mit der Geschichte... aber das interessiert mich grad nicht... P

Was mich jetzt interessiert und eigentlich hier auch Thema ist und höchstwahrscheinlich auch beabsichtigt von Herrn Borchert ist...

Die Küchenuhr als Symbol für das Paradies...

Er sagte ja "der Uhr leise ins weißblaue runde Gesicht: Jetzt weiß ich, dass es das Paradies war."
Die Uhr symbolisiert sein "verlorenes Paradies"... das Paradies war die ganze Zeit direkt vor seinen Augen...

Irgendwie gibt die Küchenuhr den entscheidenen Hinweis zum Paradies... Ja vielleicht sogar die Wegbeschreibung... Immer um halb 3 kam er in seinem Paradies an... er hätte nur auf die Uhr sehen müssen und sie hätte ihm angezeigt, dass er im Paradies ist...
Er fühlte es sicher innerlich... (deine innere Zufriedenheit) aber er wusste es nicht...
Jetzt nac dem Bombenangriff zeigt ihm die Uhr was er verloren hat....

Somit ist in diesem Beispiel das Paradies nicht von Dauer... Es trifft zu einem bestimmten Zeitpunkt ein...
Und das regelmäßig... An einem Ort...
Aber eben nur das Paradies für diese Person... Nur er hat dort sein Paradies... Niemand anders...


Somit ist es meiner Meinung nach sinnlos danach zu suchen...
Unserer ignoranten Gesellschaft fällt das Paradies doch
erst auf wenn es nicht mehr da ist...

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Öööööhm... und....

Utopie ist grob gesagt ein Wunschtraum...

Aber darf man das Wort Utopie mit Paradies gleichbringen?!?!?!

Eigentlich sollte uns Wolfgang Borchert mit seiner Küchenuhr doch gezeigt haben, dass das Paradies keine Utopie ist sondern etwas was real existiert... In welcher Form auch immer...

Noch zum Abschluss...

Was sagen eigentlich 80% aller Erwachsenen zum Thema Schule?!?!
-----Es WAR das Paradies!!!

Und die Schüler?!!?
-----Es IST die Hölle!!

Die Erwachsenen haben Recht...
Ich geh auch zur Schule... wenn ich dabin ist es die Hölle... Wenn ich genau drüber nachdenke... ist es das Paradies

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Alle Angaben ohne Gewähr...

Erfreut euch des Lebens solange ihr es könnt... genießt das Paradies auch wenn ihr nicht wisst ob es da ist oder nicht...

Mit diesen Worten geh ich duschen und dann schlafen...
und erfreu mich meiner momentanen inneren Zufriedenheit.... =D

Tschüüüüüüüüssi

Man liest sich...

Und denkt daran...

We Are Insane And We Are Lazy But We Love It {Emotic()}

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